Silikone im Haar und in der Umwelt

Ihr Lieben

Diesen Monat dreht sich bei der Haarbande alles rund um Silikone in der Haarpflege. Vor einiger Zeit habe ich einen längeren Artikel zum Thema Silikone in Kosmetik verfasst. Den Haarteil davon hier als Repost, weil sich manche Gerüchte und Falschinformationen wirklich hartnäckig halten. Hartnäckiger als Silikone an den Haaren…

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Was sind Silikone?
Silikonpasten zum Abdichten von Fugen, als Backform für Kuchen oder als Eiswürfelform. So kennen wir Silikone im Alltag. Silikon ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe synthetischer Polymere, bei denen Siliciumatome über Sauerstoffatome verknüpft sind. Die Weltproduktion an Silikonen steigt ständig an, weil die Nachfrage nach den besonderen Eigenschaften in vielen Bereichen (Haushalt, Kosmetik, Industrie) immer weiter ansteigt. Im Kosmetikbereich verstecken sich die unterschiedlichen Silikone vor allem unter folgenden Bezeichnungen, üblicherweise enden sie auf „-cone“ oder „-xane“: Beispiele: Dimethicone, Methicone, Polysiloxane, Cyclomethicone.

Silikone sind Filmbildner. Ob sie durch eine Schicht das Haar seidig oder die Haut ebenmässig wirken lassen, ist der gleiche Effekt. Der wasserabweisende „Film“ schützt das Haar vor Feuchtigkeitsverlust und kann Wirkstoffe auf dem Haar halten. Gerade auch bei Wundcremes, Sprühpflastern oder Sonnencremes macht das Verwenden von Silikonen durchaus viel Sinn. Silikone selber haben aber keine pflegenden Eigenschaften. Dennoch sind sie gute Helfer gegen Feuchtigkeitsverlust und um Wirkstoffe wie Keratin oder Panthenol im Haar zu halten, es glänzen zu lassen und auch – was ich besonders wichtig finde – um vor mechanischen Belastungen zu schützen. Knoten, Bürsten, Wind und co. strapazieren die Haare, Silikone können zumindest einen Teil dieser Belastung abfangen und das Haar so etwas schützen.

Wasserlöslich, was heisst das? Bekomme ich das Zeug wieder runter von meinen Haaren?
Manche Hersteller schreiben, sie würden nur „gute“ oder „wasserlösliche“ Silikone in Haarpflegeprodukten verwenden. Das Gerücht, dass sich Silikone Schicht für Schicht ums Haar legen, es beschweren und nicht mehr auswaschbar sind (sogenannte „build-ups“), hält sich hartnäckig. So stimmt das aber nicht. Erst die gute Nachricht: jedes Silikon kann mit einem entsprechenden Tensid aus dem Haar gewaschen werden. Auf der Seite von naturallycurly habe ich diese Übersicht gefunden:

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Quelle: http://www.naturallycurly.com/curlreading/curl-products/whats-the-scoop-on-silicones/

Sodium laureth sulfate (SLES) und sodium lauryl sulfate (SLS) sind übrigens die am häufigsten verwendeten (aber leider nicht milden) Tenside in Shampoos. Als Silikon wird oft Dimethicone verwendet.

So. Nur weil ein Stoff wasserlöslich ist, heisst das nicht, dass er einfach auswaschbar ist. Andersrum genauso. Generell gilt, dass unpolare Stoffe nur in unpolaren Lösungsmitteln löslich sind und polare Stoffe nur in polaren Lösungsmitteln. Da beispielsweise Dimethicone unpolar ist, ist es unlöslich in Wasser oder Ethanol (beide polar), dafür aber in unpolaren Stoffen wie z.B. in den meisten Pflanzenölen. Dass ein Stoff wasserlöslich ist, sagt nichts über seine Auswaschbarkeit aus. Manche Stoffe sind wasserlöslich, aber aufgrund ihrer Ladung ziehen sie aufs Haar auf und halten sich dort. Pflanzenöle sind nicht wasserlöslich und trotzdem auswaschbar. Silikone aus dem Haar zu bekommen, ist also im Normalfall mit einem geeigneten Produkt gut möglich.

Zur Umweltproblematik
Das bisherige Fazit ist, dass Silikone Haut und Haar nicht schaden. Sie sind selber nicht sinnvoll aber für den Menschen nicht schädlich und wohl besser als ihr Ruf. In Kombination mit einem Wirkstoff können sie diesen länger am Einsatzort halten als ein Produkt ohne Silikon. Genau da ziehe ich auch meine persönliche Grenze. Produkte, die vom Silikonfilm profitieren und in Spezialfällen gebraucht werden, wie wasserfeste Sonnencremes oder Heilsalben für die Haut, oder ein Haarserum für einen windig-heissen Tag am Strand kaufe ich ab und an und zwar bewusst.

Die Menge, in der die Industrie Silikone verbaut, ist natürlich viel grösser als die im als Einsatz in Kosmetik. Aber: wir waschen täglich die Creme oder das Haarserum ab, die Silikone gelangen in die Umwelt und richten dort einen grossen Schaden an.

Die Tatsache, dass sich die Silikone leichter aus den Haaren waschen lassen, heißt noch lange nicht, dass sie auch besser abbaubar wären. Grosse Silikone bleiben an festen Partikeln haften, die aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Die kleineren gelangen in den sogenannten „Belebtschlamm“ in der Kläranlage. Darin verarbeiten Bakterien die nährstoffreichen Abwasserinhaltsstoffe zu Klärschlamm und Kohlendioxid – normalerweise jedenfalls. Bei Silikon klappt das nämlich nicht, sodass es im Klärschlamm zurückbleibt. Dieser wird zur Hälfte mitsamt dem Silikon darin verbrannt. Die anderen 50 Prozent werden jedoch wegen ihres hohen Stickstoff- und Phosphorgehalts oft als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. So gelangen die Silikonreste in Flüsse, Seen und ins Grundwasser.

Dass die Silikonbelastung durch Kosmetik in den letzten Jahren stark zugenommen hat, merken wir vor allem daran, dass unsere Verbrennungsmotoren für Klärgas nicht mehr wie früher 8000 Stunden, sondern nur noch 3000 Stunden störungsfrei laufen. Der bei der Verbrennung von silikonhaltigem Klärgas entstehende Quarzsand lagert sich überall in den Maschinen ab. Außerdem treten vermehrt schädliche Bakterien der Gattung ‚Nocardia‘ auf, die als Hinweis für deutlich erhöhte Silikonwerte gesehen werden. Wer die Vorteile von silikonhaltigen Handcremes, Haarwaschmitteln oder Faltenfüllern nutzen möchte, ohne der Umwelt zu schaden, sollte das deshalb maßvoll und gezielt tun.

Von Harald Hanßen, Abteilungsleiter bei der Stadtentwässerung Hamburg für vital.de.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass jedes Pflegeprodukt, jedes Waschmittel, Erdölprodukt und Parfüm und auch alle Silikone im Wasserkreislauf landen. Wir belasten mit all unserer Kosmetik das Abwasser!

Welche Produkte soll ich kaufen?
Wer Pflegeprodukte sucht, die garantiert silikonfrei sind, kann das Problem ganz einfach lösen, auch ohne mühsam die Zusammensetzung einzelner Produkte zu studieren. Das Zauberwort heisst zertifizierte Naturkosmetik. Produkte, die mit den in Europa üblichen Naturkosmetiksiegeln zertifiziert sind, dürfen keine Silikone (was aber nicht heisst, dass sie für die Umwelt unschädlich und für uns reizfrei und super verträglich sind!) verwenden. Man erkennt sie an folgenden Logos:

naturkosmetik

Übrigens sind auch Squalan und Brokkolisamenöl durchaus ähnlich von der Wirkung her aber selber silikonfrei, falls ihr euch selber etwas anmischen wollt!

Weitere Quellen und Infos:
http://www.langhaarwiki.de/wiki/Silikon
http://www.vital.de/schoenheit/haut-haare/artikel/silikon-der-kosmetik
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=104008&bernr=10&seite=01

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Ein Gedanke zu “Silikone im Haar und in der Umwelt

  1. Danke, dass du hier noch einmal auf die Umweltproblematik von Silikonen hinweist. Genau das ist nämlich auch der Punkt, warum ich diese nicht in meinen Kosmetikprodukten haben will (mal abgesehen davon, dass ich auf der Haut total Pickel von dem Zeug kriege).

    LG Michaela

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