DIY -Vegane leave in Haarpflege für strapazierte Längen

Ihr Lieben
Endlich, endlich finde ich wieder etwas Zeit für einen Artikel für die Haarbande. Und ich bin nicht nur gut in der Zeit, ich bin sogar richtig früh dran. Heute ist der 28.2.2017 und meine Bestellung mit den Zutaten ist gerade eingetrudelt, juhui. Die Haarbande hat mich angespornt, das längst aufgeschriebene Rezept (Spoiler: mein Rezept! Kopieren dürft ihr es gerne, aber bitte seid so fair und macht dies mit klarer Quelle und Verweis zu mir!) herzustellen und einige Wochen zu testen. Mir sind gute INCI und Alkhoholfreiheit sehr wichtig, dennoch habe ich euch alles so zusammengestellt, dass ihr alle „exotischen“ Zutaten in nur einem Onlineshop bekommt und in die Mischung nur Flüssigkeiten kommen, die sich auch ohne Aufkochen oder besondere Massnahmen ganz einfach vermischen lassen.

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Auch bei DIY bin ich kein Fan von Alkohol oder pseudowissenschaftlichen Inhaltsstoffen, sondern mag gut formulierte und hochwirksame Pflege. Auch solche Produkte lassen sich recht einfach selber herstellen und sind dazu noch sehr günstig und auf eure Bedürfnisse anpassbar.

Unsere Haare sind aus Horn, der Hauptbestandteil ist Keratin. Die „Proteinfäden“, bestehen also zum grössten Teil aus Eiweiss. Als erstes solltet ihr euch im Klaren darüber sein, was euren Haaren denn fehlt: Proteine oder Feuchtigkeit?

Dazu gibt es den sogenannten wet assessment test. Der ist auch ganz simpel und ehrlich aber nicht unbedingt angenehm. Wascht eure Haare 2x mit einem milden aber gut reinigenden Shampoo, alternativ auch mit Reinigungsshampoo, damit ihr alle möglichen Rückstände aus den Haaren bekommt. Seife, Roggenmehl, Kräuter, Lavaerde oder andere Waschformen sind dazu nicht geeignet. Wickelt die Haare OHNE Pflegespülung oder Kur nun vorsichtig für 4-5 Minuten in ein Handtuch. Nach dem Auspacken erfühlt ihr, wie es euren Haaren wirklich geht. Nehmt euch dazu ein Haar und zieht etwas daran. Macht den Test mit mehren Haaren aus verschiedenen Partien:

Das Haar dehnt sich etwas und formt sich rasch und ohne zu brechen wieder zur Originallänge zurück: Alles fein, deinen Haaren fehlt gar nichts und mehr als eine leichte (Feuchtigkeits-)Pflege, beispielsweise zum Entwirren, ist auch nicht nötig.

Das Haar dehnt sich stark und ist schon (fast) gummiartig, es kann sich auch kraftlos anfühlen: Das ist ein Proteinmangel!

Das Haar dehnt sich nicht aber bricht rasch ab und fühlt sich rau und eher trocken an oder lässt sich sehr schwer kämmen: Das ist ein Feuchtigkeitsmangel!

Auf den sehr seltenen Fall eines Proteinüberschusses gehe ich nicht weiter ein. Das erkennt ihr daran, dass dem Haar Elastizität fehlt und es dadurch nass und trocken superschnell bricht. Gleichzeitig fehlt eigentlich auch immer Feuchtigkeit.

Natürlich ist das keine exakte Wissenschaft und es gibt auch Mischformen, als erster Anhahaltspunkt eurer Haargesundheit taugt der Test aber viel. Bei neuer Pflege probiert immer nur etwas aus: Feuchtigkeit oder Protein und steigert die Dosis dabei langsam! Ihr spürt selber am besten, welche Mischung euer Haar mag. Egal, was auf irgendwelchen Blogs oder in Foren so steht… Das Rezept lässt sich auch nur mit Protein oder nur mit Feuchtigkeit herstellen und ihr könnt auch nach und nach mehr Proteine dazugeben. Falls ihr euch unsicher seid, macht am besten zwei (kleinere) Mischungen: eine mit wenig Protein und eine mit Feuchtigkeit.

Bei meinem Rezept lässt sich Feuchtigkeit und Protein unabhängig voneinander dosieren oder auch weglassen. Meine Haare sind fein aber lang und immer etwas trocken, durch uralte Farben in den Lägen auch immer etwas proteinlos und gummig: 2aFii (8cm) und etwa 80 cm nach SSS; nach einem ordentlichen Schnitt vor zwei Monaten.

Bestellt habe ich alles (bis auf das destilliere oder entmineralisierte Wasser) auf Dragonspice. Den Shop mag ich für Rohstoffe eigentlich am liebsten.

In meinem Pflegespray in einer 50ml-Glassprühflasche enthalten sind:

  • 3 ml Weizenprotein (das ist das Protein, lieber noch weniger nehmen!)
  • 4 ml D-Panthenol (das ist die Feuchtigkeit)
  • 5 ml Brokkolisamenöl
  • 7 ml Squalan (pflanzlich!)
  • 3 ml Lysolecithin E60
  • 5 Tropfen Biokons (das macht die Mischung rund 4 Monate haltbar)
  • 25 -30 ml destilliertes Wasser

Gebt alle Zutaten bis auf das Wasser direkt mit einem Messlöffel und einem kleinen Trichter in eure Sprühflasche. Danach verschliessen und gut schütteln. Mit Wasser auffüllen (nicht bis ganz oben, damit sich alles gut vermsichen kann) und wieder schütteln. Fertig!

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Anwendung: verwendet die geschüttelte Sprühkur wie ein Boost-Serum für die Haut und gebt sie sparsam ins nasse Haar bevor ihr allfällige weitere Leave Ins verwendet (ich verwende danach am liebsten eine Haarcreme von Heymountain). Ihr könnt die Pflege auch mit einem Tropfen Öl (falls ihr mögt auch silikonhaltig) zum Versiegeln abschliessen.

Achtung: Die Kur hat es in sich, euer Haar ist sich die Dosis an Wirkstoffen womöglich nicht gewöhnt. Weniger ist mehr und viel hilft nicht viel! Für meine Längen reichen 5-8 Sprühstösse locker, bei zu viel Produkt wird das Haar wieder trocken, struppig und widerspenstig, ihr erinnert euch an den Proteinüberschuss weiter oben… 🙂 Ich rate euch aber davon ab, das Produkt zu sehr zu verdünnen, weil sonst einges mehr an Konservierungsstoffen gebraucht wird. Die Doppelte Menge an Wasser und an Biokons sollte aber gut machbar sein, falls ihr lieber grosszügiger sprüht.

Die Zusammensetzung nach INCI sieht dann so aus:
Aqua, Squalane, Broccoli Seed Oil, Panthenol, Hydrolyzed Wheat Protein, Enzyme-Modified Soy Lecithin, Biokons (Propanediol, Phenethyl Alcohol, Undecyl Alcohol, Tocopherol)

Und noch zu Bestellung, Preis und Hilfsmitteln ein paar Worte:
Ihr könnt euch Messlöffel und die geeigneten Flaschen und Sprühaufsätze ebenfalls auf Dragonspice günstig bestellen (meine Etikette ist von Depot). Den kleinen Trichter hatte ich schon da. Achtet trotz Konservierungsmittel darauf, sauber zu arbeiten und in keinen Rohstoff zu fassen oder mit einer schmutzigen Pipette reinzugehen. Am besten tragt ihr Einweghandschuhe und wegen des Biokons eine Brille. Ohne Hilfsmittel, Sprühflasche und ohne das destillierte Wasser (das bekommt ihr in jeder Apotheke oder Drogerie und in grossen Supermärkten als Bügeleisenwasser) ergeben sich in etwa folgende Preise:

Kosten Für 1 Spray
Biokons, 10ml 1,80 0,09
Brokkolisamenöl BIO, 10ml 2,90 1,45
d-Panthenol 75%, 10ml 1,30 0,52
Lysolecithin E60, 50ml 2,20 0,11
Squalan, 10ml 2,00 1,40
Weizenprotein HT, 100ml 2,70 0,06
Total 12,90 € 3,63 €

Wer den Preis noch weiter reduzieren will, kann natürlich auch ein anderes Öl wie beispielsweise Sojaöl verwenden (damit würde eine Mischung noch 2,40 € kosten), die Eigenschaften von Brokkolisamenöl sind aber für strapazierte Spitzen wirklich optimal.

Und hier noch ganz kurz, was weswegen mit ins Spray durfte.
Weizenprotein: Um die Haare (die aus Protein bestehen)  nach Belastungen wieder“aufzufüllen“.
Panthenol: Ist ein Feuchthaltemittel und kann viel Feuchtigkeit binden.
Brokkolisamenöl: Ist ein nicht fettendes Öl, das die Haare glänzend, weich und geschmeidig macht. (Und damit zusammen mit dem Squalan eine umweltverträgliche Silikonalternative)
Squalan: Ist ebenfalls ein Feuchtigkeitsspender, der die Haare weich macht und die Oberfläche glättet. Achtung, Squalan kann auch tierischen Urspungs sein.
Lysolecithin E60: Ist ein Emulgator, er macht, dass Öle und Wasser sich super verbinden.
Biokons: Konserviert das Produkt, damit es einige Monate haltbar ist. Die Dosis und damit die Haltbarkeitsdauer lässt sich auch noch nach Bedarf verdoppeln oder halbieren, mehr davon sollte im Endprodukt nicht enthalten sein.
destilliertes Wasser: Wasserbasis ist ideal, damit sich die fertige Mischung in einem feinen Sprühnebel einfach im Haar verteilen und sparsam dosieren lässt.

Habe ich euch nun angefixt oder verwendet ihr schon ein ähnliches DIY?
Habt ihr weitere Fragen zum Rezept? Ich freue mich auf euren Kommentar!

Übrigens verwende ich den Spray tatsächlich seit etwa sechs Wochen nach jeder Wäsche und mag ihn sehr, mittlerweile verwende ich etwas mehr davon, meine Haare haben sich daran gewöhnt und seit ich mit Blondierung etwas gespielt habe, bin ich echt froh um die Inhaltsstoffe, die die Haare etwas kitten. 😀

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Ein Gedanke zu “DIY -Vegane leave in Haarpflege für strapazierte Längen

  1. Ein sehr ähnliches Produkt habe ich auch schon gemacht, das Protein LI! Öl habe ich zu Beginn auch dazu gegeben, das lässt sich durch schütteln direkt davor auch ohne Lysolecithin verbinden. Aber nötig war es für mich nicht, da es für meine Haare sinnvoller ist, das Öl einfach extra in die Haare zu geben. Squalan wollte ich aber tatsächlich mal dazu mischen – das wird in Angriff genommen, wenn ich das sowieso für die Gesichtshaut bestelle 😉
    Konserviert habe ich mein Spray ausnahmsweise nicht, mache ich bei anderen Sachen. Aber ich mische immer nur maximal 30ml an, lagere es im Kühlschrank und verbrauche es enorm schnell. Da geht das dann.

    LG Valandriel

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