Einige Kritikpunkte zu codecheck.info

Ihr Lieben
Schon wieder ein Artikel, den ich ewig geplant aber nie verwirklicht habe. Es geht um die Seite Codecheck. Was die Seite macht, warum die Idee klasse ist und warum ich euch dennoch absolut davon abrate, die Seite oder App insbesondere im Kosmetikbereich zu verwenden, zeige ich euch hier auf.

codecheck
Screenshot von codecheck.info

Was ist codecheck.info?

Codecheck inst eine umfassende Produktdatenbank. Durch die Suchfunktion oder in der App auch durch einlesen des Strichcodes (daher der Name Codecheck) erhält man die Zusammensetzung des Produktes sowie weitere Informationen. So weit, so gut – es gibt da leider einige grosse Aber.


Die mangelhafte Qualität der Inhalte durch fehlende Qualitätskontrolle

Jeder kann sich registrieren und Produkte erfassen. Davon lebt eine so grosse Datenbank ja auch. Jedoch ist es so, dass neu erfasste Produkte sofort freigeschaltet werden. Niemand überprüft die Richtigkeit und vor allem die Vollständigkeit der Angaben oder ob sie wenigstens korrekt sein könnten. Jeder kann alle Angaben aber auch sofort wieder ändern.


Veraltete Informationen, neue Rezepturen

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Screenshot von codecheck.info

Durch diese System, dass alle munter neu erfassen und ändern können, wird etwas oft vergessen: Kosmetikhersteller passen ihre Rezepturen sehr oft an. In alle Richtungen. Von ökologisch gut zu schlecht und von hautunfreundlich zu hautfreundlich. Von vegan zu nicht mehr vegan und alles jeweils auch andersrum. Hier ein Beispiel: die Treacle Moon One Ginger Morning Bodymilk. Heute (13.3.2016) sehen die Inhaltsstoffe gemäss Codecheck so aus wie auf dem Screenshot links. Das ist falsch. Heute ist diese Bodymilk – und alle anderen von Treacle Moon auch – nicht mehr auf Erdölbasis (Paraffinum Liquidum, Petrolatum) sondern das ist gemäss Homepage von DM drin: (Die Zusammensetzung ist also KOMPLETT anders! Das Produkt wird alledings bald ausgelistet, die anderen Sorten Bodymilk sind aber sehr ähnlich.)

Inhaltsstoffe: Aqua (Water), Vitis vinifera (Grape) seed oil, Cetearyl alcohol, Glycerin, Butyrospermum parkii (Shea butter), Phenoxyethanol, Caprylic/capric triglyceride, Parfum (Fragrance), Sodium polyacrylate, Sodium stearoyl glutamate, Xanthan gum, Benzoic acid, Tocopherol, Dehydroacetic acid, Citric acid, Citral, Eugenol, Geraniol, Limonene, Linalool, CI 47005, CI 42090


Die Bewertungsgrundlage, das Ampelsystem – fehlende Transparenz und unbelegte Behauptungen

Oben im Screenshot auf der linken Seite sieht man, dass die Zusammensetzung eines Produkts in grau, hellgrün, dunkelgrün, hellrot und dunkelrot geschrieben ist. Gemäss Codecheck bedeuten die einzelnen Farben folgendes:

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Screenshot von codecheck.info

Das Problem ist hier, dass man nicht weiss, warum ein Inhaltsstoff empfehlenswert oder nicht empfehlenswert ist. Hier ein Beispiel wieder aufgrund der Bodymilk von oben, es gibt tausende weitere. Das ist leider kein Einzelfall sondern ein Grossteil der INCI hat eine Bewertung, die nicht schlüssig ist oder auf falschen Infos beruht:

Paraffinum Liquidum und Petrolatum gehören beide zur Kategorie „Mineral Oil“. Auf dem Screenshot von Codecheck sieht man das:

parrafincc
Screenshot von codecheck.info

„Kann sich im Körper anreichern, die Hautporen verschließen und die Atmung der Haut beeinträchtigen.“ „Von einigen Paraffinen weiß man, dass sie sich in Leber, Niere und Lymphknoten anreichern können. Bei einem Paraffinwachs zeigten sich entzündliche Reaktionen der Herzklappen.“

Das sind drei richtig heftige Behauptungen.
Leider verweist Codecheck auf keine Quelle und man weiss nicht, woher die Informationen stammen. In diesem Fall sind aber alle drei falsch.

Paraffine können die Poren nicht verschliessen, eine Studie (1) kommt zum eindeutigen Schluss, dass Mineralöle die Poren nicht verstopfen und nicht komedogen wirken. Sie sind sogar im Winter eine grossartige Möglichkeit, Feuchtigkeit in der Haut zu halten und diese vor dem Austrocknen zu schützen. Diese Wirkungsweise nennt man Okklusionseffekt.

Woher die Behauptungen kommen, dass sich Paraffine in Leber, Niere und Lymphknoten anreichern und entzündliche Reaktionen der Herzklappe verursachen, kann nicht eruiert werden. Bei Codecheck fehlen ja wie oben angegeben die Quellen, die Aussagen sind daher einfache Gerüchte und haltlose Behauptungen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass hier einiges vertauscht wurde. Gemäss einem Review über die Toxizität von Mineralölen lassen sich durchaus einige, wenn auch nicht signifikante Feststellungen über die Anreicherung von Mineralölen beim Menschen machen, das Papier bezieht sich jedoch ausschliesslich auf die orale Toxizität und geht nicht auf die Verabreichung über die Haut in Kosmetikprodukten ein (2). Die Verwendung in Kosmetik wird nur als mögliches Einsatzgebiet von Erdölprodukten erwähnt.

Im Gegensatz dazu werden gemäss dem Screenshot von Codecheck höchst allergene Duftstoffe wie Eugenol, Linalool, Citranol, Geraniol etc. als empfehlenswert eingestuft.

geraniolcc
Screenshot von codecheck.info

Hier steht die Warnung eigentlich schon mit drin, dass eine Gefahr der Sensibilisierung auf der Haut besteht und der Duftstoff ein starkes Allergen ist. Paradoxerweise steht aber eine Zeile weiter unten, dass das Allergen zwar deklarationspflichtig aber bedeutungslos ist. Auch hier gibt es keine Quellenangaben, die die Aussagen stützen.

Es gibt jedoch zahlreiche Studien, die von einer Verwendung solcher Duftstoffe abraten, da die Haut sensibilisiert wird und es zu Kontaktallergien kommen kann (3). Diese Warnung gilt nicht nur für Personen, die schon auf Duftstoffe reagiert haben. Gemäss EU-Kosmetikrichtlinie müssen 26 Duftstoffe einzeln deklariert werden. Weniger reizende Duftstoffe dürfen unter der Sammelbezeichnung Parfum bei der INCI-Angabe geführt werden.

Die Kategorisierung nach dem verwendeten Ampelsystem ist aus diesen Gründen komplett unbrauchbar.

Ich empfehle zum Thema auch diesen Artikel von Agata auf Magimania. Sie geht darin auf diesen Punkt ein und dem Beitrag werden noch weitere folgen, die dann ebenfalls hier verlinkt werden.


Der Blog mit dubiosen Inhalten und haltlosen Behauptungen

Mittlerweile gibt es auf Codecheck auch einen Blog mit diversen Artikeln von unterschiedlichen Autoren. Hier als Beispiel der Artikel Machen Süssstoffe uns dick? Hier werden wieder zahlreiche Studien erwähnt, es fehlt aber eine Begründung für alle Behauptungen. Eine Verlinkung oder wenigstens die Namensangabe zum entsprechenden Dokument und ein ordentliches Quellenverzeichnis ist bei so kritischen Inhalten, wie sie auf Codecheck oft thematisiert werden, grundsätzlich Pflicht. Dennoch befindet sich auf der Seite keine einzige Angabe einer konkreten Studie.


Der Umgang mit geistigem Eigentum, sprich Bildern und den Rechten daran

Jede/r kann wie oben erwähnt selber Produkte in der Datenbank anlegen und Informationen speichern oder ändern. Oftmals wird auch ein Bild zum Produkt hinzugefügt, entweder hochgeladen oder von der Seite des Herstellers oder eines Onlineshops aus verlinkt. Dies geschieht üblicherweise ohne Einverständnis der Urheber der Bilder, Codecheck verwendet geschützte Bilder ohne Zustimmung der Rechtsinhaber.


Quellen:
(1) A review on the extensive skin benefits of mineral oil http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1468-2494.2012.00752.x/pdf
(2) ORAL TOXICITY OF MINERAL OILS AND RELATED COMPOUNDS http://www.cepi.org/system/files/public/documents/positionpapers/recycling/2011/summary-20111125-00001-01-E.pdf
(3) Fragrance contact dermatitis: a worldwide multicenter investigation (Part II) http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1034/j.1600-0536.2001.044006344.x/abstract

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15 Gedanken zu “Einige Kritikpunkte zu codecheck.info

  1. danke für die kritische auseinandersetzung! ich mag codecheck sehr, finde aber die gleichen punkte bedenkenswert.

    vielleicht kann man noch hinzufügen, dass nicht erwähnt wird, in welchen mengen die „nicht“ oder „wenig“ empfehlenswerten inhaltsstoffe denn „schlecht“ sind. denn oft sind sie dies ja vor allem in großen mengen.

  2. Sehr gut. Ich nutze Codecheck auch gern und finde so eine Seite schon wichtig. Allerdings stimmen die hier angesprochenen Kritikpunkte (leider). Ich persönlich mache mir tatsächlich die Mühe ab und zu die Inhaltsstoffe zu ändern, wenn ich sehe, dass eine neue Rezeptur da ist. Aber das machen wohl die wenigsten. 😀
    Es wäre echt schön, wenn die Kritik bei Codecheck auch ankommen würde, aber ich bezweifle das. 😦 Trotzdem wichtiger Blogartikel! Danke dafür.

  3. Ein toller Artikel – danke, dass du uns auch hiermit wieder ein bisschen weiter sensibilisierst und uns unser Nutzungsverhalten überdenken lässt!
    Ich persönlich nutze Codecheck (noch) nicht, da ich nicht sehr viele hochverarbeitete Produkte konsumiere (und auf der anderen Seite zugestandenermaßen zu faul dafür bin), aber ich finde diese Informationen sehr wichtig, falls ich mich vielleicht doch noch dazu entschließe, die App zu gebrauchen. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  4. Sehr guter und wichtiger Blogeintrag! Vielen Dank dafür. Eigentlich nutze ich codecheck sehr gerne und die Idee dahinter ist toll. Ich kann mir meistens nicht merken, welche Inhaltsstoffe nun empfehlenswert sind oder nicht. Hast du da einen anderen Lösungsvorschlag für mich, wie ich das vor meinem Kauf gut checken kann? Beste Grüße

  5. Toller Artikel! Schön, dass du auf die Nachteile der Seite hinweist, wo Codecheck doch so sehr gehyped wird!
    Ich nutze Codecheck recht häufig, um nachzuschauen ob allergene Duftstoffe in einem Produkt sind. Dafür ist die Seite schon ganz nützlich, man muss nur immer bedenken, dass alles aus der Perspektive des Umweltschutzes betrachtet wird und nicht danach, ob es für die Haut gut oder schädlich ist. So ist es ja auch bei deinen Beispielen Mineralöl und Duftstoffe, die farbliche Markierung bezieht sich auf die Umweltverträglichkeit. Aber nur weil etwas öko ist, ist es eben nicht automatisch auch gut für die Haut.
    Wenn man die farblichen Markierungen ignoriert (wer hätte noch gerne eine schwarz-weiße Version der Seite?), ist Codecheck schon ganz brauchbar um einen Einblick zu bekommen, welche Inhaltsstoffe in einem Produkt sind und was sich hinter den chemischen Begriffen verbirgt. Nur die Bewertung sollte man ignorieren, wenn man seiner Haut und nicht nur der Umwelt etwas Gutes tun will!

  6. Toller Beitrag, den ich direkt mal teilen muss. Ich habe mich vor ein paar Monaten auch mal sehr ausführlich mit dieser Website auseinander gesetzt, weil mir diese Markierung wegen den Dufstoffen und dem Palmöl auffiel und ich wissen wollte, woher die überhaupt kommt. Ich bin ein Gegner dieser Ampel und nutze Codecheck nur, um Dinge nachzuschlagen, die nicht auf der Packung stehen.

    Die Treaclemoon Bodymilk ist für mich ein gutes Beispiel für ein Produkt mit zwei vollkommen unterschiedlichen Formeln die zu einer vollkommen anderen Kaufentscheidung führen. Ich hatte das Problem mit dem Clinique Lip Perfector. Auf der Packung stand etwas anderes als auf Codecheck und auf der Herstellerseite. Ich hab das Produkt gekauft und beim Hersteller nachgefragt. Anhand der Chargennummer haben sie festgestellt, dass es sich um eine neue Formulierung handelte und zwar um eine, die ich aus allergischen Gründen nicht benutzen kann. Ich hab das Produkt verschenkt und es hat sich jemand anderes richtig darüber gefreut, aber trotzdem 15€ in den Sand gesetzt wegen Fehlinformationen!

  7. „Ich persönlich mache mir tatsächlich die Mühe ab und zu die Inhaltsstoffe zu ändern, wenn ich sehe, dass eine neue Rezeptur da ist.“

    Und ich denke deshalb greift der Kiritikpunkt der mangelnden Qualitätskontrolle so auch nicht ganz. Codecheck ist wie Wikipedia. Es wird durch die Nutzer editiert und korrigiert und kann deshalb einen größeren Umfang als bspw. die redaktierte Beautypedia bieten. Es funktioniert, da es zahlreiche registrierte und unregistrierte Editoren gibt. Schaut euch ‚Letzte Änderungen‘ an: http://www.codecheck.info/community/letzte-aenderungen Es gibt ca. alle 3 Minuten eine Änderung. (Ich mache da genauso mit wie du, ich liebe es eine neue Formulierung oder neues Produkt gefunden zu haben! Yay.).

    Das generelle Konzept ist eben das des Crowdsourcing. Gelöschte oder falsche Angaben kann man easy rückgängig machen und Vandalismus sehe ich nur selten. Dass es irreführende ‚rote Markierungen‘ gibt is klar. Aber das Crowdsourcingkonzept würde ich als den großen Vorteil von Codecheck sehen und nicht als Kritikpunkt, wenn ihr versteht was ich meine. Eine deutsche Beautydatenbank würde sich doch nicht um K-Beauty oder obskure französische Apo-Kosmetik scheren. Aber *ich* kann das einfügen. 😀 Ich finde das genial.

  8. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel und Respekt für die große Recherche, die du betrieben hast!
    Beste Grüße, Franziska von Grünes Element

  9. Super Artikel, vielen Dank!
    Ich setze mich seit einer Weile mit den Themen Naturkosmetik, problematische Inhaltsstoffe usw. auseinander. Ich bin an einem Punkt, an dem ich mir völlig unsicher bin, was ich eigentlich konsumieren „soll“ oder kann, es geht langsam sogar in eine ziemlich ängstliche Richtung. Die Suche nach Gesundem schlägt also ins Ungesunde um. Auch Codecheck spielt da für mich eine große Rolle. Mir wurde die Seite nun aber immer suspekter, was mich auch zu deinem Artikel geführt hat. Ich werde in Zukunft versuchen die Seite zu meiden, und mich selbst weiterzubilden. Und vorallem auch die Panikmache nicht zu fördern.

  10. Sehr gut recherchiert! Neben den erwähnten Punkten finde ich es bemerkenswert, dass der Schaffer der codecheck.com Plattform selbst Naturprodukte (Kosmetik) vertreibt, die unter oylous.ch zu kaufen sind. Notabene sind seine Produkte absolut integer und sehr teuer Seine Produkte werden auch auf codecheck unter news angepriesen. Wer diese Firma besitzt ist nur über Handelregistereintrag zu eruieren, dort sieht man jedoch den gleichen Besitzer wie unter Codecheck.com. Verdächtig ist das für mich schon.

  11. Hallo! Welche Apps benützt ihr denn sonst noch oder stattdessen? Gibt es irgendwelche empfehlenswerten Alternativen? Vielen Dank!!

  12. Hallo! Welche Apps benützt ihr denn sonst noch oder stattdessen? Gibt es irgendwelche empfehlenswerten Alternativen? Vielen Dank!!

  13. Genau aus diesen Gründen schaue ich nicht mehr bei codecheck nach. Die Grundidee fand ich vor gut 11 Jahren spitze umgesetzt, auch heute noch, allerdings mit den von dir beschriebenen Mängeln, die die Seite komplett unbrauchbar macht.

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