Aluminium Chlorohydrate in Deos

Wieder ein Artikel, den ich gefühlte fünf Jahre vor mich hergeschoben habe. Aufgrund ständiger Wutanfälle meinerseits kommt er aber doch. Gleich vorweg: ich kann euch weder die Schädlichkeit noch die absolute Unschädlichkeit von Aluminium beweisen.

Kaum eine Frage bringt mich im Kosmetikbereich mehr zur Verzweiflung als „Ich suche ein wirksames, veganes Deo bei dem man nicht schwitzt. Und natürlich ohne Alu und ohne Chemie“.

deoanntAls erstes: mit einer solchen Aussage disqualifiziert man sich selber. Wer etwas ohne Chemie sucht, der hat die allereinfachsten Grundsätze der Chemie nicht verstanden. Alles ist Chemie. Lebenswichtiges Wasser ist eine chemische Verbindung (H2O), Salz ebenfalls (NaCl) oder auch Sauerstoff (O2).

Zweite Enttäuschung: es gibt Deodorants und Antitranspirants. Gegen das Schwitzen helfen nur Antitranspirants, diese gibt es nicht ohne Aluminiumverbindungen (allenfalls mit Zinkoxid, dazu in einem späteren Artikel sicher mehr). Warum das aber gar nicht so schlimm ist, könnt ihr weiter unten lesen.

Viele wollen unbedingt kein „Alu“, wissen aber gar nicht wirklich, warum sie es so vehement ablehnen. Oder sie wollen es nicht, weil es angeblich Alzheimer und Brustkrebs auslöst. Das ist aber falsch, hier die Erklärung:

Die aktuellen Einschätzungen zum Thema gibt es hier: http://www.bfr.bund.de/cm/343/aluminiumhaltige-antitranspirantien-tragen-zur-aufnahme-von-aluminium-bei.pdf. Das deutsche Bundesamt zur Risikobewertung hat zur Sache am 26.2.14 ausfühlich darin Stellung genommen. Die wichtigsten Punkte sind folgende:
„Ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Aluminiumaufnahme durch Antitranspirantien, aber auch durch Lebensmittel bzw. Trinkwasser oder bestimmter aluminiumhaltiger Medikamente (sog. Antazida) und der Alzheimer-Krankheit bzw. Brustkrebs konnte trotz einer Reihe entsprechender Studien aufgrund der inkonsistenten Datenlage bisher nicht wissenschaftlich fundiert belegt werden.“
Es wurden Studien durchgeführt, die Brustkrebs und Alzheimer bezogen auf Aluminium untersucht haben. Dabei konnte der Verdacht NICHT bestätigt werden.
 
„Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen bereits über Lebensmittel hohe Mengen Aluminium auf, und die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge ist wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch Lebensmittel ausgeschöpft. Bei langfristiger Anwendung aluminiumhaltiger kosmetischer Mittel könnte der TWI (tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge = tolerable weekly intake) dauerhaft überschritten werden und sich Aluminium im Körper anreichern. Wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen derzeit aber noch u.a. in Bezug auf die tatsächliche Penetrationsrate und die Langzeitfolgen chronischer Aluminiumexposition.“

Das ordne ich gerne in die Kategorie „fun fact“. Wir nehmen durch Backwaren oder Tee und andere Lebensmittel ebenfalls grosse Mengen Aluminium auf. Nur da schreit irgendwie keiner. Gemäss den Berechnungen und Einschätzungen von Experten, wird dieser aus Sicherheitsgründen festgelegter Grenzwert aber schnell überschritten. Das heisst nicht, dass eine Überschreitung gefährlich ist sondern nur, dass die Sicherheit bei einer Aufnahmemenge über diesem Toleranzwert nicht garantiert werden kann.

Und nun? Auf aluhaltige Deos verzichten? Nicht?
„Die individuelle Aluminiumaufnahme kann reduziert werden. Kosmetika, wie aluminiumhaltige Antitranspirantien oder Cremes, können zur Gesamtaufnahme von Aluminium beitragen.“
 
Die Aufnahme durch aluminiumhaltige Antitranspirantien kann vor allem gesenkt werden, indem diese nicht unmittelbar nach der Rasur bzw. bei geschädigter Achselhaut verwendet werden. Es kann ein Deodorant ohne Aluminiumsalze verwendet werden.“
Direkt nach der Rasur oder auf verletzter Haut sollte kein Deo verwendet werden, erst recht keines mit Aluverbindungen. Wer nicht auf die Antischwitzwirkung von Aludeos verzichten mag, kann ihren Einsatz ja trotzdem reduzieren und beispielsweise an gemütlichen Wochenendtagen auf ein alufreies Deo zurückgreifen und im stressigen Büroalltag das altbewährte Antischwitzmittel verwenden.

Unreflektiere Fernseh- oder Zeitungsberichte und reisserische, emotionale Filme wie „Die Akte Aluminium“ haben leider eine grosse Hetzjagd auf Aluminium ausgelöst. Sie sind weder fundiert, noch genügen sie wissenschafts- und medizinjournalistischen Standards. (1)

Es gibt nämlich noch ein anderes Problem: Deodorants, die ohne Aluminium auskommen, basieren sehr oft auf Natron oder Alkohol. Beides reizt die Haut und wird von empfindlichen Personen nicht vertragen.

Am Ende bleibt nichts anderes übrig, als diverse Produkte zu testen. Selber gemachte Deos, gekaufte mit Alu oder ohne. Es gibt nichts, was bei allen wirkt. Bleibt kritisch aber bitte nicht panisch.

Hier fünf Deotipps, natürlich gibt es noch viele mehr.

  1. Selber machen. Drei mögliche Anleitungen findet ihr ganz unten – aber auch die sind nicht komplett unbedenklich.
  2. Deocremes ohne Aluminium. Julia hat hier einige für euch getestet (achtung, auch Natron kann starke Reizungen auslösen.)
  3. Deospray (gibts auch in bei mir weniger wirksamen anderen Sorten, als Glasspray oder Roller) von CD – ohne Aluminiumsalze
  4. Mein Klassiker: die Roller von Balea (diverse Sorten), fst alle mit Alu aber dafür ohne Alkohol.
  5. CL Med für empfindliche Haut – ohne Aluminiumsalze und ohne Alkohol
    (3, 4 und 5 findet ihr günstig bei DM)

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Weitere Quellen:
(1) http://blog.gwup.net/2013/08/05/angst-essen-verstand-auf-oder-die-akte-aluminium/

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aluminium-in-deos-so-kommt-man-auch-ohne-alu-nicht-ins-schwitzen-a-959293.html


Rezepte (bitte beachtet, dass auch Natron stark hautreizend sein kann – beendet die Anwendung, wenn Reizungen auftreten!):

Deopuder
• 30g Speisenatron oder neutrales Babypuder
• 30g neutrales, farbloses Henna

Die Zutaten mit einen möglichst feinen Sieb in eine Schüssel sieben und gut vermischen. Darauf achten, dass die Mischung nicht feucht wird. In eine gut verschliessbare Dose geben und jeweils eine kleine Menge mit einer Puderquaste, einem Wattepad oder mit den Händen auftragen. Die Mischung aus Babypuder und neutralem Henna kann auch als Trockenshampoo verwendet werden. Dazu eine kleine Menge auf die trockenen Haare, insbesondere auf den fettenden Ansatz auftragen, leicht einmassieren und gut ausbürsten.

Deo-Spray
• 75ml destilliertes oder abgekochtes, lauwarmes Wasser
• 1 Teelöffel Natron
• Eventuell etwas ätherisches Öl oder einige Tropfen eures Gesichtswassers
• 1 Sprayflasche aus Glas, ca. 100ml

Alle Zutaten in ein Glasfläschchen mit Pumpzerstäuber füllen und gut schütteln. Vor jeder Anwendung erneut schütteln, damit sich alle Zutaten vermischen. Am besten eignen sich dazu leere Deoflaschen. Falls ihr keine habt, könnt ihr die Fläschchen auch in vielen Apotheken günstig kaufen und immer wieder verwenden. Falls die Düse verstopfen sollte, den Sprayaufsatz in heisses Wasser legen und einige Male pumpen. Falls ihr euer Deo etwas beduften wollt, könnt ihr etwas Gesichtswasser dazugeben. Achtet aber darauf, dass ihr eines ohne Alkohol verwendet, um Hautirritationen zu verhindern. In der Apotheke gibt es auch ätherische Öle, die für den Einsatz in Kosmetikprodukten geeignet sind. Davon braucht ihr nur zwei bis drei Tropfen für ein Sprayfläschchen. Lasst euch aber bitte gut beraten, die ätherischen Öle sind oft sehr aggressiv und sollten keinesfalls mit empfindlichen Hautstellen in Berührung kommen! Die Produkte, die man beispielsweise in Duftlämpchen gibt, tragen daher auch entsprechende Gefahrenhinweise.

Deo-Creme
• 5 g natives Kokosöl
• 5 g Sheabutter
• 15 g Natron
• 10 g Speisestärke
• Eventuell 2 bis 3 Tropfen ätherisches Öl
• Eventuell 4 bis 5 g Zinkoxid (dann etwas mehr Kokosöl und Sheabutter verwenden)
• Töpfchen oder kleines Glas mit Deckel


Ihr bekommt alle Zutaten in Bioläden oder grösseren Drogerien. Wer einen Antitranspiranten machen möchte: Zinkoxid gibt es sehr günstig in Apotheken zu kaufen. Kokosöl und Sheabutter im Wasserbad oder in der Mikrowelle schmelzen, falls ihr mögt etwas ätherisches Öl dazugeben und die restlichen Zutaten gut einrühren. Die Mischung in ein kleines Gläschen füllen und für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. Danach bei etwa 15 bis 22 Grad Celsius aufbewahren. Ich verwende dazu ein ganz kleines, sauber ausgewaschenes Marmeladenglas, die gibt es oft in Hotels oder auch in grösseren Supermärkten zu kaufen. Die pflegende Creme könnt ihr einfach mit den Fingern auftragen und leicht einmassieren. Diese Menge reicht bei täglichem Gebrauch für etwa drei Wochen. Die Mischung könnt ihr nach Wunsch anpassen, und im Sommer beispielsweise etwas mehr, im Winter weniger Natron verwenden.

Ausprobieren lohnt sich!

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2 Gedanken zu “Aluminium Chlorohydrate in Deos

  1. Schöner Artikel 🙂 Hoffentlich erreicht er viele Leute, die sich so gern von Medien und Industrie ins Bockshorn jagen lassen.

  2. Besonders über den Satz mit Chemie freue ich mich ungemein. Ich bin nicht „vom Fach“, aber finde es auch sehr amüsant, wie „die Chemie“ verteufelt wird, denn jede Banane lässt sich ja entsprechend darstellen. Witzig finde ich auch immer die Kampagnen rund um den Stoff supergefährlichen „Dihydrogenmonoxid“. Es muss nur „böse“ klingen, dann hassen ihn viele Leute.

    Jetzt nochmal zum Thema Aluminium. Ich benutze ohnehin schon ganz lange ausschließlich NK Roll-on-Deos und Deocremes, die ohne Aluminiumsalze hergestellt werden, das war aber damals noch keine bewusste Entscheidung, sondern eher Zufall. Erst neulich habe ich mich dafür kurz über das Aluminiumsilikat in meiner NK-Sonnencreme gewundert, dann allerdings durch eine kurze Rechere rausgefunden, dass das Aluminium in dieser Verbindung wohl sehr stark gebunden und daher unkritisch ist. Alu ist also auch nochmal nicht gleich Alu. Alufolie & Aluverpackungen vermeide ich, aber primär aus Gründen des Umweltschutzes/der Vermeidung von Verpackungsmüll.

    [Bezüglich des BfR, das ich früher zu solchen Fragen auch immer konsultiert habe, bin ich in letzter Zeit aber ein bisschen kritischer eingestellt, da sie z.B. im Zusammenhang mit der Einschätzung von Glyphosat zumindest Teilweise von wirtschaftlichen Interessen geleitet zu sein scheinen und scheinbar im Gremium auch Industrievertreter sitzen sollen (hatte ich in den Nachrichten eines 3. Programms gehört und hier etwas zu der Thematik gefunden: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-um-glyphosat-wenn-leserbriefe-von-monsanto-als-studien-gelten-1.2570374)%5D

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