Mythos Hitzeschutz für die Haare

Haartrockner, Glätteisen, Lockenstab. Für viele sind diese Geräte nicht mehr aus dem Badezimmer wegzudenken. Sprays, Cremes, Lotionen versprechen Schutz und Pflege für das Haar und, dass die Hitze den Haaren nichts anhaben kann. Doch stimmt das auch? Die Sprays erfüllen leider nur einen Zweck: das Gewissen beruhigen. Wer die Produkte verwendet, hat das Gefühl, den Haaren nicht zu schaden und ihnen sogar etwas Gutes zu tun.

Warum es keinen Hitzeschutz gibt

Jetzt wird’s etwas theoretisch, ich versuche, es anschaulich zu erklären. Haare sind aus Horn, der Hauptbestandteil ist Keratin. Die „Proteinfäden“, bestehen also zum grössten Teil aus Eiweiss. Ob ein Haar glatt oder gelockt ist, liegt am Schwefel. Die Schwefelatome binden aneinander im Haar und sie verknüpfen Aminosäuren miteinander. Diese Verbingungen werden Disulfidbrücken genannt, sie stabilisieren ein Haar in seiner Form, je nach ihrer Anordnung ist ein Haar glatt oder lockig. Für eine dauerhafte Veränderung der Haarstruktur wie z.B. bei einer Dauerwelle müssen die Disulfidbrücken mit Hilfe von bestimmten Chemikalien angegriffen werden.

Nebst den Disulfidbrücken wird ein Haar durch Wasserstoffbrücken und Ionenverbindungen in seiner Form gehalten. Diese Struktur können wir vorübergehend verändern, z.B. mit der Hitze eines Lockenstabs. Beim Trocknen oder Abkühlen formen sich die Ionenverbindungen und Wasserstoffbrücken neu. Wenn das Haar danach nass wird, tritt eine Renaturierung ein und die Verbindungen nehmen wieder ihre ursprüngliche Form ein. Als Denaturierung bezeichnet man die oft nicht umkehrbare Veränderung der räumlichen Struktur von Proteinen. Wir kennen den Effekt vom (ja, unveganen) Braten eines Spiegeleis. Durch die Hitze wird das Eiklar weiss und fest, die Reaktion lässt sich nicht wieder rückgängig machen.

Kurz und simpel gesagt: Bei Glätteisen oder Lockenstab oder anderen Geräten, die mit hoher Temperatur arbeiten, ist genau das die Funktionsweise. Die thermische Haarverformung klappt nur, wenn auch das Innerste des Haares aufgeheizt und das Haar danach in Form gebracht und langsam auskühlen gelassen wird. Da gibts nichts zum Schonen.

Manche behaupten, dass durch Filmbildner (=Silikone) alias Hitzeschutz die Hitze besser verteilt wird. Andererseits sind die Produkte oft leicht ölig oder (noch) nass und die Hitzeeinwirkung verbrennt das Haar ganz schnell. Wer gar nicht auf die heissen Gerätchen verzichten will, verwendet sie am besten so selten wie möglich und gönnt den Haaren regelmässige Feuchtigkeitskuren. Oder schneidet oft grosszügig nach, z.B. die Ponypartie. Was sein kann, ist, dass durch die Filmbildner die Hitze besser verteilt wird. Wenn man etwas zu lange an einer Stelle ist (Spitzen!) mit der Hitze, brennt diese nicht ganz so schnell weg. Mit dem Film wird das Haar auch etwas weniger schnell heiss, man glättet also, gestützt durch das gute Gefühl des Sprays, länger oder langsamer, weil sich das Haar erst erhitzen muss, bevor der gewünschte Effekt eintritt.

Quellen: http://de.scribd.com/doc/41587491/Denaturierung#scribd https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/didaktik_der_chemie/schulorientiertes/ws0607/ausarbeitungen/eiweiss.pdf

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