Kokosprodukte und warum wir sie aus ethischer Sicht meiden sollten

Weil Kokosöl als Wundermittel für und gegen alles empfohlen wird und immer populärer wird, möchte ich kurz einige Punkte erklären.

Das Problem betrifft generell alle Kokosprodukte, jedoch nicht in allen Punkten. Ich gehe auf die ethischen Aspekte rund um Kokosöl und den Gesundheitsaspekt als Lebensmittel ein. Alles andere würde den Artikel unendlich lang machen.

Ökologischer Aspekt:
Kokosnüsse werden nicht in Europa angebaut. Die langen Transporte sind nicht gerade sinnvoll für die Umwelt, es gibt auch diverse regionale Öle und Fette. Palmöl wird überall gehasst und boykottiert, dabei ergibt ein Hektar mit Ölpalmen mehr Fett(ertrag) als die gleiche Fläche mit Kokospalmen! Wenn die Nachfrage also weiterhin stark steigt, haben wir bald das Problem umgedreht und es wird noch mehr Fläche benötigt werden (und somit noch mehr Regenwald abgeholzt). Ökologisch gesehen ist Kokosöl schlecht, genauso wie Palmöl. Fragt sich, ob wir die tropischen Fette wirklich brauchen, weil so besonders oder gesund sind sie nicht. Hier sind die Unterschiede aufgezeigt: http://blog.opw-ingredients.com/bio-palmoel/

Palmöl ist über 18 x ertragreicher als Kokosöl.Also auf der Fläche, auf der ich 1 kg Kokosöl anbaue, könnten rund 18.6 kg Palmöl angebaut werden. Stellt euch den grossen Mehrbedarf z.B. anhand der Grösse eures Schlafzimmers vor.

Affen, die zur Ernte der Nüsse eingesetzt (gezwungen) werden
Ein weiteres Problem, welches vor allem den Veganerinnen und Veganern unter uns keine Ruhe lassen dürfte. Oft werden Affen für die Ernte der Kokosnüsse eingesetzt. Das geht schnell, einfach, günstig und ist sicher, weil kein Mensch klettern muss. Fairtrade oder bio heisst nicht, dass keine Affen für die Ernte ge- oder missbraucht werden. Die angeketteten Tiere werden von den Menschen mit fragwürdigen Methoden zu Erntehelfern gemacht und müssen oft tagelang arbeiten. So kann die Ernte dann aussehen: https://www.youtube.com/watch?v=Mx7pUauB0Rk
Das Kerlchen auf dem Bild habe ich in Malaysia fotografiert.

Gesundheit:
Es gibt etliche Öle, die für uns sehr gesund sind. Viele davon isst man am besten kaltgepresst und nicht erhitzt. Kokosöl gehört aber absolut nicht dazu, das isst man nämlich am besten gar nicht.

Damit wir sicher vom Gleichen schreiben folgendes: Wenn Fett bei Zimmertemperatur flüssig ist, wird es als Öl bezeichnet. Kokosöl hat einen Schmelzpunkt von etwa 22-23°C. Wenn es im Sommer im Küchenschrank steht, ist es ein Öl, den Winter über ein Fett. Ich schreibe aber wie ihr vom unbehandelten, nativen, kaltgepressten Kokosöl im Glas. Das riecht und schmeckt intensiv und frisch nach Kokosnuss. Im Gegensatz dazu gibt es auch billiges Kokosfett (oft im Plastikeimerchen oder in Alufolie im Kühlregal erhältlich) – das ist raffiniert und industriell gehärtet und fast geschmacksneutral.

Aber nun zum Kokosöl. Im BLS (Bundeslebensmittelschlüssel, http://www.bls.nvs2.de/) sind die genauen Angaben zum Öl. Da die Nutzung kostenpflichtig ist, sind die offiziellen Angaben z.B. auch da verfügbar: http://www.ernaehrung.de/lebensmittel/de/Q550000/Kokosfett.php. Beim Aufdröseln der Fettsäuren ergibt sich das:

87,11 g gesättigte Fettsäuren

6,977 g einfach ungesättigte Fettsäuren

1,65 g mehrfach ungesättigte Fettsäuren, davon

0,0 g essenzielle Omega-3-Fettsäuren

Das sind also fast 90% gesättigte Fettsäuren!

Dabei sind sich Ernährungswissenschaftler einig darüber, dass man gesättigte Fettsäuren, gehärtete Fette und Transfettsäuren möglichst meiden sollte. Die wirken sich sehr ungünstig auf die Blutfette aus, das kann auf längere Sicht zu Arteriosklerose und daraus zu Herz- und Gefässkrankheiten führen. Genauer nachlesen was, wie und warum passiert, kann man z.B. hier: „In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Senkung der Zufuhr von gesättigten Fett säuren und gleichzeitiger Erhöhung der Zufuhr mehrfach ungesättigter n-6 Fettsäuren das Koronarrisiko sinkt“ (Am Ende des Dokuments sind 4 Studien angegeben, viel Spass beim Lesen.)

Mir wird nach dieser Begründung oft geschrieben, dass die gesättigten Fettsäuren im Kokosöl aber doch aus mehrheitlich mittelkettigen Fettsäuren (MCT) bestehen würden und diese seien seeeeehr gesund. Ja, MCT sind gesund. Aber wenn ich auf den ersten Link schaue, sehe ich das: mittelkettige Fettsäuren 13200 mg pro 100g. Also 13.2g je 100g oder 13.2% mittelkettige Fettsäuren sind im Kokosöl enthalten; gewöhnliche langkettige Fettsäuren hingegen 82%.

Zu den Nährstoffen im Kokosöl. Wenn ich mir wieder den ersten Link öffne, (unter Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) sehe ich, dass die enthaltenen Mengen echt vernachlässigbar klein sind – und das pro 100g. Keiner isst das Zeug glasweise, als Vitamin- und Mineralstofflieferant taugt es also auch nichts.

Nunja, Kokosöl ist weder tödlich noch total schädlich, wenn man ab und an einen Löffel voll isst oder mitisst. Zu sagen, dass es so wahnsinnig gesundheitsfördernd resp. gesund oder gar heilend ist, halte ich für fahrlässig.

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